i don’t feel like dancing











{April 27, 2009}   Was wäre wenn…

Was wäre, wenn die Menschheit untergehen würde und tausend Jahre später Aliens auf der Erde landen würden? Was würden sie von unserer heutigen Kultur erraten, was falsch interpretieren?

Ich bin sicher, da haben sich schon viele seriöse Wissenschaftler Gedanken drum gemacht. Vielleicht sollte ich es mal googlen. Aber eigentlich finde ich es viel cooler, einfach mal draufloszuspekulieren.

Ich hatte vorhin wieder ausreichend Gelegenheit, die Graffiti an einem beliebigen Bahnhof zu bewundern. Wenn ich mir so anschaue, welche Artefakte wir von den anderen Kulturen, die längst untergegangen sind, haben, und wie wir das interpretieren, grinse ich bei jedem Graffiti ein bißchen mehr. Welch seltsame Rituale und absonderliches Pantheon müssen sie bei uns vermuten! Und so häufig, wie das Wort „Fuck“ vorkommt, war es wahrscheinlich die heiligste Anrufungsformel einer zutiefst religiösen Gesellschaft.

Ich mag den Gedanken.

Oder auch die Vorstellung, daß es zu irgendeiner globalen Katastrophe kommt und die Überlebenden alles vergessen. (Vielleicht, weil die, die sich erinnern, eisern schweigen, weil sie glauben, daß erst unsere Kultur diese Katastrophe heraufbeschworen hat) Rebellisch, wie Jugendliche nunmal sind, könnte ich mir vorstellen, daß es eine back-to-the-roots-Bewegung geben könnte… auf Basis dieser völlig verqueren Interpretation unserer Kultur.

Tätowierungen im Graffiti-Stil im Gesicht und überall (bei der derzeitigen Temperaturentwicklung kann man in Zukunft bestimmt viel Haut zeigen….) Welche Rituale würde man wohl in uns reininterpretieren?

Ich glaube, ich werde Graffiti-Student.

Namen von Fußballclubs würden sich bestimmt gut als Götternamen machen.

Bahnhöfe als Kathedralen mit ihren hohen Bögen. Ich sehe schon die Bildbände: „Religiöse Architektur der….“ Wie sie uns wohl nennen werden?

Züge als Werkzeuge religiöser Prozessionen, weshalb auch alle Tempel mit Eisenbändern verbunden sind. Ein einzigartiges Beispiel, wie tief die Religion in unserer Gesellschaft verwurzelt gewesen sein muß, wenn man schaut, wie viele Züge man findet – und außerdem erleichtern die Eisenbänder jedem Menschen, einen Tempel zu finden, wenn er das Bedürfnis hat.

Einzig den Zweck des Netzes aus Steinlinien, die das Land überziehen, hat man noch nicht entschlüsseln können, besonders wenn man es mit den Linien von Nazca vergleicht. Die Divergenz der Formensprache ist bei beiden enorm, besonders die Rosette der Autobahnkreuze scheint in der Züge-Kultur ein wichtiges Symbol zu sein, auch wenn sie sich in der religiösen Kultur so gar nicht wiederfindet.

Ich glaube, ich bleibe lieber bei den Alien-Archäologen. Die können bestimmt fliegen und sind mit dem Konzept Bodentransport als zentrales Mittel nicht vertraut… Ob sie wohl jemals die tiefere Bedeutung verstehen werden, die dem alles überstrahlenden Konzept des „Die Linie darf nicht durchbrochen werden“ zugrunde zu liegen scheint?



et cetera