Warum glaubt eigentlich jeder, am besten zu wissen, was gut für mich ist? - Egal, was ich sage, oder besser, erst recht, wenn ich etwas anderes sage?
Wie ich es hasse, dieses “Wir bringen jetzt mal eben dein Leben in Ordnung. Schau uns einfach gut zu und tu, was wir sagen, du wirst schon sehen.” Und dann diese Erwartung, daß man mit sich wie mit einer Schachfigur spielen läßt, und kulleräugig bewundernd dem großherzigen und -hirnigen Gegenüber zuschaut, wie er/sie/es das “Problem” für mich löst.
Gar nicht auszudenken für den jeweiligen Spieler, daß man vielleicht gar nicht möchte, daß einem sein Leben in Ordnung gebracht wird. Ich mein, hey! Er nimmt ne Menge Arbeit auf sich - nicht, daß er das nicht gerne täte, wozu ist man denn Freund - nur, um dann festzustellen, daß herumgezickt wird und man eventuell sogar - welch Skandal! sauer auf ihn ist.
Die Welt ist einfach undankbar, der arme Kerl meint es doch nur gut.
Aber jetzt mal Klartext: Lieber Schachspieler, mein Leben ist kein spannendes Schachspiel, welches gerade verloren geht und welches man mal eben übernehmen und zum Sieg führen könnte/sollte/müßte. Mein Leben ist mein Leben und als solches primär meine Aufgabe und, ja, auch mein Experiment. Ich lasse mir gerne Tipps geben, manchmal - man lese und staune! nutze ich sie sogar! Aber auch wenn ich das nicht tun sollte, solange es bei einzelnen Tipps bleibt und nicht zum Steuer-aus-der-Hand-reißen kommt, bin ich immer dankbar dafür.
(Es sei denn, sie kommen in “Ich hab dir ja von Anfang an gesagt, daß es so kommen würde, aber du wolltest ja nicht hören!”-Manier. Dann reagiere ich ausgesprochen bissig.)
Aber letztendlich lasse ich mir die Entscheidungen für mein Leben nicht aus der Hand nehmen, und wenn jemand versucht, mir etwas aufzuzwingen, muß er eben mit - im übertragenen Sinne, selbstverständlich! Ausschlagen, Kratzen und Beißen rechnen.
Ich habe das Recht, eigene Fehler zu machen, und ich habe das Recht, verdammt noch mal gefragt zu werden, bevor jemand meine Problem lösen will. Nämlich, gefragt zu werden, ob ich das überhaupt will, und vor allem, ob ich es in dieser Form will.